Metamorphose von Formen und Ideen
SAVVY CONTEMPORARY – Das Laboratorium der Formgedanken ist ein Labor der geistigen, künstlerischen und kulturellen Ideenentwicklung und des Ideenaustausches; ein Atelier, in dem Ideen zu Form und Form zu Ideen umgewandelt werden oder auch in ihrem Status Quo zur künstlerischen Wahrnehmung kommen. Dies geschieht in Hinsicht auf Konzeption, Umsetzung und Auseinandersetzung von Ideen mit Zeit und Raum.
Alle zwei Monate wird SAVVY CONTEMPORARY in seiner Galerie eine Ausstellung präsentieren, die den Dialog zwischen der „Westkunst“ und der „Nicht-Westkunst“ unterstützt. Dafür wird ein Kurator eingeladen, der jeweils einen Künstler/eine Künstlerin aus Europa oder Amerika und aus Afrika, Süd-Amerika, Asien oder Australien zu einem zweimonatigen Dialog ihrer Kunstwerke einlädt. Dieses „Gespräch“ wird vom eingeladenen Kurator „moderiert“. Der Prozess des Dialogs sowie das Ergebnis werden als Ausstellung und Publikation zur Ausstellung präsentiert.
Dieser Ansatz von SAVVY CONTEMPORARY – Das Laboratorium der Formgedanken zollt im weitesten Sinne Harald Szeemanns „Agentur für geistige Gastarbeit“ seine Referenz.
Ist Berlin nicht schon von Projekträumen übersättigt?
Auf der einen Seite hat Berlin eine lebendige und international aktive Kunstszene, die ohne Frage einen Maßstab in der Welt setzt. Auf der anderen Seite wird diese Internationalität der Kunst Berlins fast ausschließlich auf einer euro-amerikanischen Ebene ausgelebt, nur sehr wenig künstlerische Positionen aus anderen Kontinenten werden repräsentiert. Zwar werden in einigen wenigen Häusern, etwa im Haus der Kulturen der Welt (HKW) oder in der ifa (Institut für Auslandbeziehung) Galerie, auch nicht-euro-amerikanische Positionen präsentiert, aber dort befinden sich diese Positionen abgesondert vom zirkulären Kunstbetrieb, sodass sie auch gut die Klischees des Exotischen und der Nicht-Kunst bedienen könnten.
Ist die „Westkunst“ der Inbegriff der „Weltkunst“, wie es der Kunstkritiker Beat Wyss in seinem Artikel Weltkunst ist Westkunst, Monopol Magazin vom Juli 2009, behauptet?
Wenn die „Westkunst“ europäische und nordamerikanische Kunst vom Mittelalter bis heute umfasst, dann ist Berlin heute ein Kosmos beider Kunstwelten, die gleichsam parallel, jedoch ohne Berührungspunkte nebeneinander bestehen.
Genau hier setzt SAVVY CONTEMPORARY an als eine Bühne der Kommunikation und des Austauschs auf Augenhöhe zwischen "Westkunst" und "Nicht-Westkunst".
SAVVY CONTEMPORARY will die großartigen zeitgenössischen Positionen aus Europa und Amerika in Relation zu hervorragender Kunst aus Afrika, Süd-Amerika, Asien oder Australien präsentieren, um ein Face-à-Face der „Westkunst“ und „Nicht-Westkunst“ mit allen künstlerischen, historischen, sozioanthropologischen, politischen oder wirtschaftlichen Konnotationen, die diese Begriffe mit sich bringen. Ziel ist es, die vermeintliche Front zwischen diesen Begrifflichkeiten, zwischen „West-Kunst“ und „Nicht-Westkunst“ aufzulösen und die „Weltkunst“ Kunst aus aller Welt sein zu lassen. Dafür braucht Berlin einen neuen Projektraum.
Hinter- und Beweggründe
SAVVY CONTEMPORARY will eine Plattform zum Arbeiten und Ausstellen für internationale bildende und darstellende Künstler und Kuratoren sein. Ein Ort, an dem libertine Ideen der Kunst in einer pluralistischen Dimension florieren und ausgelebt werden dürfen. Ein Ort, an dem das Sozio-Psychologische, das Politische und das Anthropologische nach Magnus Hundt – der Mensch als Knotenpunkt zwischen Schöpfer und Schöpfung: "Homo est dei et mundi nodus" – in der Kunst erblühen darf.
In einer Zeit, in der die Kunstszene Berlins eine Kunst der Ästhetik und den Abstand zu gesellschaftlichen Belangen propagiert, schlägt das „Laboratorium der Formgedanken“ bewusst die Gegenrichtung ein. Dies fungiert als Reminiszenz an Meilensteine der Kunstgeschichte, etwa den Dadaismus mit George Grosz, John Heartfield und dem frühen Max Ernst oder Otto Dix, bis zu unseren Zeitgenossen wie Thomas Hirschhorn, Christoph Schlingensief, Romuald Hazoumé, Rirkrit Tiravanija, Noritoshi Hirakawa oder Klaus Staeck, die ihre Kunst als Spiegel ihrer Gesellschaft und Zeit genutzt haben. Die Notwendigkeit einer gesellschaftsnahen und -reflektierenden Kunst hat sich trotz der heftigen Kritiken an den letzten drei Documenta-Ausstellungen der Kuratoren Catherine David, Okwui Enwenzor und Roger M. Buergel durchgesetzt. Diese Kuratoren haben nicht nur ohne Scheu und Kompromisse politisch motivierte und inhaltsstarke Positionen gezeigt, sondern auch mit einer vielfältigen Palette von internationalen Künstlern der Kunstwelt imponiert und die gewohnte euro-amerikanische Achse gesprengt. Der Geist dieser Arbeit wurde in der Sonderausstellung der Venedig-Biennale 2009 – Fare Mondi – Von Daniel Birnbaum fortgesetzt.
In diesem Sinne wird SAVVY CONTEMPORARY einen Nährboden für einen kritischen und intellektuellen Diskurs über die Entwicklung der zeitgenössischen Kunst sowie über Positionen der zeitgenössischen Kunst in der Diaspora anbieten. Berlin ist aufgrund seiner Geschichte und der geo-politischen Lage als ehemalige Frontstadt des Ost-West-Konfliktes besonders stark durch einen Ost-West-Diskurs geprägt. Dadurch sind zukunftsweisende Fragen, wie die nach dem Nord-Süd-Diskurs, lange vernachlässigt worden. SAVVY CONTEMPORARY nimmt für sich die Aufgabe in Anspruch, den diesen Nord-Süd-Dialog in der Kunst in Berlin zu fordern und zu fördern.
Realisierung der Ziele
Um als Schirm für die genannten Sujets zu dienen, visiert SAVVY CONTEMPORARY – Das Laboratorium der Formgedanken einen dynamischen Kunst-, Kultur-, und Wissensaustausch an, ohne ein akademisches Korsett zu tragen. Hierfür werden hervorragende, aufkommende nationale und internationale Künstler eingeladen, sich mit zeitgenössischen Fragen auseinanderzusetzen. Mit allen Möglichkeiten der Kunst (Malerei, Fotografie, Installationen, Videos, Skulpturen) werden die Künstler, ohne den Anspruch, Antworten zu finden, Kommentare zu dieser Thematik formulieren, Fragen aufwerfen, Probleme bewusst machen und zum Nachdenken anregen. Den Ansatzmöglichkeiten sind hier keine Grenzen gesetzt.
In der engen Zusammenarbeit mit aufstrebenden Kuratoren und Künstlern aus aller Welt könnten folgenden Punkten von Belang sein:
- Neue Positionen einer kreativen, kuratorischen Praxis und deren Relation zu Kunst aus aller Welt
- Wie können nicht-materielle künstlerische Positionen im Rahmen einer Ausstellung materialisiert werden, ohne sie bloß als „Repräsentationen“ darzustellen?
- Wie kann Kommunikation helfen, um heterogene Medien, Formate oder Hintergründe in einem gemeinsamen Rahmen einzubauen, sodass künstlerische Spannung erzeugt wird?
- Das Schaffen von neuen Konzepten und Kontexten des künstlerischen Ausdrucks und der Präsentation von Kunst in Relation zur Zeit und im öffentlichen Raum
- Re-Interpretationen und Revision des Begriffs und der Methodologie der Ausstellung
- Die Rolle des Empfängers in einer Kommunikationsachse zwischen Kunstwerken und zwischen Kunstwerk und Zuschauer
- Re-Interpretationen und Revision des Begriffs „Weltkunst“ im Bezug zu sich selbst und zum Begriff „Westkunst“.
Zur Realisation dieses Projekts sind die folgenden Features aufgestellt worden:
- Ausstellungen alle 2 Monate
- Performance Kunst / Theater / Live-Musik
- Ausstellungspublikationen in limitierter Edition (25 Stück) begleiten jede Ausstellung
- Grundlage für: Zeitschrift für Zeitgenössische „Nicht-Westkunst“
- Grundlage für: „Performance Annuelle“ an 3 Neuköllner U-Bahnhöfen und in deren Nachbarschaft
Location – Neukölln!
SAVVY CONTEMPORARY – Das Laboratorium der Formgedanken hat im Stadtteil Berlin-Neukölln seine Heimat gefunden. Im Gegensatz zur „idealen“ Gesellschaft, wie sie im satirischen Werk der „Utopie“ von Thomas Morus (1516) beschrieben wird, ist Neukölln weder satirisch noch fiktional oder utopisch. Mit 30.000 Einwohnern aus 160 Nationen, einem Ausländeranteil von 33.7%, 38.8% Langzeitarbeitslosen (Quelle: Bezirksamt Neukölln) und zahlreichen Schlagzeilen wegen Kriminalität sowie mit einem „Banlieue-Charme“ ausgestattet, bietet Neukölln den Eindruck einer perfekten Dystopie. Aber gerade diese vermeintliche Polemik bietet genug Hintergrund für einen Kultur- und Klassenaustausch, eine Basis für einen Religionsdiskurs sowie eine Ebene zur Erforschung des zeitgenössischen Nomadentums und zur Neudefinition des Begriffes „Heimat“.
Your utopia is my reality and my reality is your utopia formt den Leitgedanken des Laboratoriums der Formgedanken
In der Richardstr. 44/45, gleich am historischen Richardplatz, dem zentralen Platz des ehemaligen Dorfes Rixdorf, das nach 1737 in Deutsch Rixdorf und Böhmisch Rixdorf geteilt wurde, ist SAVVY CONTEMPORARY zu finden. Mit seinem traditionell-historischen Gewerben, den vielen Bauwerken, die heute unter Denkmalschutz stehen – etwa die Bethlehemskirche am Richardplatz 22 (erstmals erwähnt im Jahr 1435) oder der Rixdorfer Schmiede mit der Hausnummer 28 (eines der wenigen Gebäude, die beim großen Brand im Jahr 1849 nicht zerstört wurden) – ist der Richardplatz einer der schönsten Plätze Berlins.
Finanzierung
Es ist vorgesehen, das Projekt durch Finanzakquise und zusätzliche Hilfe von Sponsoren zu unterstützen.


